Logopädie, Atem- Sprech- & Stimmtherapie in Telgte
Visus Praxis für Logopädie Gudrun Lagemann
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  • Aphasie
  • Dysarthrie
  • Sprechapraxie




  • Dyslalie
  • Dysgrammatismus
  • Sprachentwicklungsverzögerung oder -störung
  • Eingeschränkter Wortschatz
  • Dysphonie
  • Rhinophonie
  • Myofunktionelle Störungen
  • Stottern
  • Sigmatismus

Aphasie

Störungen des Sprachsystems nach Hirnschädigung (z.B. Schlaganfall) Die Sprache eines Aphasikers kann in folgenden Bereichen gestört sein:
  • Wortfindung
  • Sprachverständnis (gehörtes und gelesenes Wort)
  • Lesen und Schreiben
  • Grammatik

Je nach Ausmaß der Störung sind einzelne Bereiche mehr oder weniger stark beeinträchtigt, deshalb werden 4 Standardsyndrome unterschieden:

 - Globale Aphasie:
Bei dieser schwersten Form der Aphasie sind alle o.g. sprachlichen Modalitäten massiv beeinträchtigt. Der Betroffene hat erhebliche Wortfindungsstörungen, kann meist nur wenige Silben oder kurze Worte allein sprechen. Seine Gedanken und Empfindungen, die noch dieselben sind wie vor der Störung, kann er ohne Hilfe nicht mehr äußern. Häufig ist das Sprachverständnis erheblich beeinträchtigt, wodurch es oft zu Missverständnissen kommen kann. Eine ehemalige Betroffene sagte, man könne es damit vergleichen, dass jemand in einer fremden Sprache spricht, mit wenigen deutschen Brocken darin. Das Gefühl für Sprachmelodie und Intonation bei Gesprochenem ist bei den meisten Patienten relativ gut erhalten, d.h. sie können unterscheiden, ob sie etwas gefragt werden oder etwas gesagt bekommen. Die nonverbale Kommunikationsfähigkeit eines Global-Aphasikers ist oft gut erhalten, so dass leicht ein falscher Eindruck des Schweregrades der Störung, vor allem des Sprachverständnisses, entstehen kann.

 - Broca-Aphasie: Diese Form gehört, wie die globale Aphasie, zu den unflüssigen Aphasien. Die Betroffenen sprechen meist im Telegrammstil mit wenig oder komplett fehlender grammatischer Struktur. Hier entspricht die Abfolge der Wörter meist der Wertigkeit dessen, was der Patient ausdrücken möchte. Auch bei dieser Aphasie hat der Betroffene starke Wortfindungsstörungen und meist auch mäßige Einbußen im Sprachverständnis.

 - Wernicke-Aphasie: Diese Form gehört zu den flüssigen Aphasien. Die Sprache zeichnet sich aus durch einen ungehemmten Redefluss, der meist nur mit Mühe zu durchbrechen ist. Durch sinnlose Aneinanderreihungen von Floskeln und nicht existenten Worten (Neologismen) sind die Aussagen der Betroffenen oft nicht zu verstehen. Durch die erheblichen Sprachverständnisstörungen und ein anfangs oft fehlendes Störungsbewusstsein wird die Therapie erschwert.

 - Amnestische Aphasie: Sie gehört ebenfalls zu den flüssigen Aphasien und entsteht meist aus den Restsymptomen einer Broca- oder Wernicke-Aphasie. Hier kann es vorkommen, dass einige der o.g. Bereiche nur minimal oder gar nicht beeinträchtigt sind (z.B. Lesen und Schreiben), häufig hat der Betroffene jedoch Probleme bei der Wortfindung. Da diese Beeinträchtigung nicht mehr so stark ist, wie bei den anderen Aphasie-Syndromen, können die Patienten das gesuchte Wort oft umschreiben, so dass eine Verständigung gut möglich ist.


Dysarthrie(Dysarthrophonie)

Störungen der Sprechmotorik nach Hirnschädigung (z.B. Schlaganfall)

Im Gegensatz zur oben beschriebenen Aphasie ist die Dysarthrie keine Sprach- sondern eine Sprechstörung. Das bedeutet, dass hier eine Schädigung der Motorik der am Sprechakt beteiligten Organe (Zunge, Gaumensegel, etc.) vorliegt. Eine Dysarthrie entsteht oft durch einen Schlaganfall in der rechten Hirnhälfte, kann aber genauso durch verschiedene Erkrankungen des Nervensystems hervorgerufen werden, wie z.B. Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, uvm.Die Verständlichkeit eines Dysarthrikers wird hauptsächlich durch eine verwaschene, undeutliche Aussprache erschwert. Oft ist es dem Betroffenen nicht möglich, bestimmte Laute (Buchstaben) korrekt auszusprechen. Häufig sind zusätzlich die Stimmqualität und die Atmung eingeschränkt, was die Verständlichkeit weiter verschlechtert.


Sprechapraxie
Störung der Planung von Sprechbewegungen nach Hirnschädigung

Die Sprechapraxie tritt selten isoliert auf, sondern meist als Begleiterscheinung einer Aphasie oder Dysarthrie.Hier ist die Planung und Programmierung einzelner Sprechbewegungen (z.B. beim A sagen den Mund öffnen) derart gestört, dass der Betroffene nur schwer zu verstehen ist. Rein motorisch und organisch betrachtet, können alle Laute gebildet werden, durch die Planungsstörung ist es jedoch oft nicht möglich. Kennzeichnend für dieses Störungsbild sind die Suchbewegungen, die der Betroffene unternimmt, um einen bestimmten Laut bilden zu können.


Dysphagie
Störung des Schluckaktes (der Nahrungsaufnahme)

Eine Dysphagie kann einerseits durch neurologische Schädigungen entstehen (Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, etc.), andererseits auch durch Tumorerkrankungen im Mund- und Halsbereich oder durch Kehlkopfschäden (z.B. Stimmbandlähmung).

Bei der Dysphagie können, je nach Grunderkrankung und Lokalisation der betroffenen Organe, verschiedene Probleme auftreten. Einerseits kann das Kauen beeinträchtigt sein, andererseits wieder nur das Trinken (z.B. bei Lähmung der Lippen) oder wirklich der tatsächliche Schluckakt. Je nach Ausprägung der Störung kann eine Dysphagie sogar sehr gefährlich sein, im schlimmsten Fall kann sie zu einer Lungenentzündung führen (Aspirationspneumonie). Wenn diese Gefahr gegeben ist oder das Schlucken massiv beeinträchtigt ist, kommt es oft vorübergehend (manchmal dauerhaft) zum Einsatz einer Tracheal-Kanüle (zum Schutz vor Aspiration) und einer Magensonde, die die Nahrungszufuhr übernimmt.

Egal wie stark die Dysphagie ausgeprägt ist, ist sie für die Betroffenen immer ein erheblicher Verlust an Lebensqualität!


Dyslalie
Bei der Dyslalie werden bestimmte Laute fehlerhaft gebildet, weggelassen oder durch einen anderen Laut ersetzt (z.B. Kindergarten = Tinderdarten). Die wohl bekannteste Fehlbildung eines Lautes ist das Lispeln (Sigmatismus). Hier werden alle S-Laute mit falscher Zungenstellung gebildet (z.B. Zunge zwischen den Zähnen).


Dysgrammatismus
Bei diesem Störungsbild zeigen sich Probleme bei der Verwendung von Artikeln (z.B. die Hund, der Haus), der Mehrzahl-Bildung (z.B. Hause, Tischs), der Verwendung von Zeiten (z.B. ich bin gegeht, du hast geesst), der Beugung von Verben (z.B. ich trinken, du spielen) und beim Satzbau, bzw. der Wortstellung (z.B. ich Hause gehe, ich Bild gemalt habe).

Sprachentwicklungsverzögerung oder -störung

der Spracherwerb des Kindes erfolgt verzögert, zu spät, unvollständig', 'Als "Faustregel" kann man sagen, dass man einschreiten sollte, wenn ein Kind mit Vollendung des 2. Lebensjahres nur wenige (sinnvolle) Worte benutzt. Mit 3 Jahren sollte ein Kind alle Laute bilden können, mit 4 Jahren sollte der Erwerb der Grammatik abgeschlossen sein.

Eine Sprachentwicklungsstörung geht oft einher mit Defiziten in den Bereichen der Wahrnehmung, des Sprachverständnisses, der Kognition und der Motorik. Es gibt unterschiedliche Erscheinungsformen der Sprachentwicklungsstörung, die einzeln, aber auch zusammen auftreten können:

Eingeschränkter Wortschatz
Das Kind benutzt wenige "Schlagwörter", um sich verständlich zu machen (z.B. Wauwau = Hund, wird für alle Tiere benutzt.


Dysphonie

 - Organische Dysphonie:
Sie kann auftreten bei diversen Kehlkopferkrankungen, wie z.B. Stimmband-Knötchen, -Ödemen, -Polypen, bei Tumoren im Kehlkopf und nach deren Entfernung, bei Stimmbandlähmungen und Lähmungen im Kehlkopfbereich.

 - Funktionelle Dysphonie:
Sie entsteht bei falschem Gebrauch oder zu starker Belastung der Stimme. Eine nicht behandelte funktionelle Dysphonie kann sich zu einer organischen Dysphonie ausweiten! Bei beiden Formen der Dysphonie klingt die Stimme heiser, knarrend, behaucht, etc. Die Betroffenen müssen sich oft räuspern und haben teilweise ein Fremdkörpergefühl im Halsbereich, was das Sprechen anstrengend macht. Die Stimme ist nicht belastbar und ermüdet schnell.

Rhinophonie / Rhinolalie
Näseln –Es gibt 3 verschiedene Formen der Rhinophonie:

 - Rhinophonia aperta (offenes Näseln)
Eine häufige Ursache sind Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, es kann aber auch durch "Schonhaltungen" nach Operationen im Nasen-Rachen-Bereich zum Näseln kommen. Beim Sprechen geht die Luft hauptsächlich durch die Nase, so dass ein nasaler Klang entsteht. Beim Essen kann die Nahrung durch die Nase austreten. Oft haben die Betroffenen (meist Kinder) eine mangelnde Wahrnehmung im gesamten Mundbereich, was auch zu Fehlbildungen bestimmter Laute führen kann.

 - Rhinophonia clausa
(geschlossenes Näseln)

Diese Form entsteht oft durch "Polypen" oder einfach nur starken Schnupfen. Dadurch, dass die Luft hauptsächlich durch den Mund kommt, werden Nasallaute ersetzt oder fehlerhaft gebildet (z.B. Mama = Baba). Die Betroffenen atmen meist nur durch den Mund.

 - Rhinophonia mixta
(gemischtes Näseln)

Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um eine Mischung der beiden oben genannten Formen.

Laryngektomie
Zustand nach Entfernung des Kehlkopfes

Bei Krebserkrankungen am Kehlkopf muss dieser oft entfernt werden. Je nach Lokalisation und Größe der Tumoren werden auch nur Teile des Kehlkopfes entfernt.Der Verlust des Kehlkopfes bedeutet zunächst auch den Verlust der eigenen, "bekannten" Stimme. Nach der Operation sollte der/die Betroffene schnellstmöglich die logopädische Therapie beginnen, um wieder stimmhaft kommunizieren zu können. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die gemeinsam individuell ausgewählt und erlernt werden:

  • die Speiseröhren-Ersatzstimme (die zum Sprechen benötigte Luft geht durch den Speiseröhren-Eingang)
  • die elektronische Ersatzstimme (mittels eines elektronischen Gerätes, das manuell bedient wird, können Patienten Töne erzeugen und sprechen)
  • das Shunt-Ventil (es wird in eine operativ geschaffene Verbindung zwischen Luft- und Speiseröhre eingesetzt und ermöglicht so das Sprechen)

Myofunktionelle Störungen
Fehlfunktionen der Mund- und Gesichtsmuskulatur

Durch mangelnde Sensibilität (Wahrnehmung) im Mund und Gesichtsbereich können die dort ansässigen Muskeln zu stark oder zu schwach, auf jeden Fall unverhältnismäßg ausgeprägt sein. Das wiederum kann zu Artikulationsstörungen (z.B. Lispeln) und Zahnfehlstellungen durch falsches Schlucken führen. Eine weitere Folgeerscheinung kann eine Stimmstörung (hyperfunktionelle Dysphonie) sein. Ebenso ist durch schlaffe Muskulatur im Lippen-Bereich meist der Mund geöffnet und es kommt häufig zu übermäßigem Speichelfluss. Je nach Ausprägung der Störung kann auch die Nahrungsaufnahme, insbesondere das Trinken und Saugen beeinträchtigt sein.

Stottern

Sigmatismus                                          siehe auch unter Dyslalie

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